Den Fön in der Wanne vergessen

Von Suse Schröder

mit dem fön glaub‘ ich

den fön in der wanne vergessen zu haben, sagte sie, habe er gesagt, macht nichts, das wasser ist schon mehrere tage abgestellt. sie sagte, dass sie gefragt habe, ob ein rohrbruch ursächlich sei, woraufhin er gesagt habe, dass sie sich nicht so elaboriert ausdrücken soll, er habe gerade keinen vertrauensüberschuss, weswegen er, habe er gesagt, falls sie es intendiert, dass durch ihre wörter der eindruck entsteht, dass er ihr vertrauen soll, er kein vertrauen habe, was er über die eigenen vier wände hinaus, von denen er hofft, sagte sie, dass sie den winter über stehen bleiben, habe er gesagt, zumindest bis es draußen wärmer ist, zu verschenken hat und er, habe er auch noch gesagt, sowieso lieber draußen als in der untermietwohnung ist, in der trotz kälteeinbruch die heizung nicht funktioniert, wie er gesagt habe, und er sich lieber unter die leute mischt, die auch lieber, oder nicht lieber, aber eben auch nicht, in ihren oder den wohnungen anderer sind, habe er gesagt, sagte sie.

die sonne strahlt ins kalte weiß der kurzen tage. geh ich raus, beißt es in der nase. mein strom ist aus. mein nachbar ist nicht zu haus, sagte sie, habe er gesagt und sie glaube ihm. und weiter habe er gesagt, dass das der nachbar ist, bei dem ich mich in solchen fällen rasieren kann, aber vielleicht, so habe er überlegt, sagte sie, tat er nur so und hockt stattdessen in seiner heißen badewanne oder mit dem rücken an der heizung und wärmt seine schmerzen weg, weil er es kann, sagte sie, habe er noch ergänzt. ich habe nur einmal geklopft, sagte sie, habe er gesagt, und dass sie ihm glaube. 

am nachmittag traf ich ihn rasiert, sagt sie, und dass es auch schon anderen aufgefallen sei, zum meteorologischen frühlingsbeginn habe er sich entfellt und dass er ein gelbes t-shirt trüge, haben auch die anderen bestätigt. die könne man fragen, sagt sie und nennt anfangsbuchstaben von namen. nur über die länge stritten alle, sagt sie. ihn habe noch keiner gefragt, soweit sie weiß, sagt sie. einer sagte bis zum kindertag, sagt sie, eine andere bis zum nächsten vollmond und der glaube sie und dass sie glaube, der sei schon in den kommenden zwei tagen. sie selbst ist noch unentschieden, sagt sie und dass sie ihn fragt, wenn sie ihn im gelben t-shirt antrifft, sonst ist die frage hinfällig, sagt sie und eine andere, der situation entsprechende, notwendig. aber da sie irgendetwas mit wörtern und menschen arbeitet, so sagen die anderen über sie, weiß sie, sagt sie, dass ihr eine andere frage, möglicherweise von höherem interesse und also zusätzlicher zuwendung einfallen wird.  er ward lange nicht gesehen, sagen sie und sie, dass er das letzte mal, als sie ihn von weitem sah, ein shirt mit undefinierbarer farbe trug. seitdem habe ich mich von ihr abgewandt. ihn suche ich ganz nebenbei. so lassen sich dinge finden.

Suse Schröder

*1984 in Königs Wusterhausen, studierte Kulturwissenschaften, Gender Studies, Poesiepädagogik und Literarisches Schreiben. Sie schreibt Erzählungen, Hörstücke, Lyrik, derzeit an ihrem Romandebüt: Die Gesonnen. Sie ist Herausgeberin, Rezensentin und Literaturvermittlerin und liebt Auberginen.

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