Gedichte I

Von JCHartmann


Wir leben in Bildern unserer Selbst,
Gemälden, Ölschinken vielleicht,
aus längst noch nicht vergangener Zeit
von wie wir sein sollen
und was die Welt zusammen hält.
Wir leben in Bildern
immerzu
egal, ob es uns gefällt.
Worauf es ankommt,
was uns wirklich hilft:
es sind Entwürfe nur,
offen für Veränderung.


Für die Jugend, die
mit tierhaften Bewegungen
und einem Zuhause in der Zeit
durch die Straßen zieht, gespickt mit den Versprechungen vergangener Welt,
die Nostalgiefahnen schickt und die Menschen verwoben
und gefangen lässt
im Harzwein der besseren, guten alten Zeit.
Für diese Jugend, die zwischen Fabrik- und Bürohäuserblocks der postfaschistischen Zeit,
wo der braune Betonputz bröckelt und vom heißen, mückengeschwängerten Wind mit feuchtem Staub vermengt,
erwachsen in die Sinnlichkeit
und Verlangen nach Zukunft und Unabhängigkeit einen Ort zum Leben sich sucht.
Die sich hinein wirft in die Gegenwart und zurückweist die gute alte Zeit – auch ihre eigenen Kämpfe und Sehnsüchte noch.
Die sich bewusst wird, dass ihr Moment nun ist, der Moment wo alle Menschen sich entscheiden sollen und wohl auch müssen jetzt, welcher Mensch, welche Gemeinschaft sie werden wollen.
Bleibt der Misstrauische in mir, bleibt der Wunsch nach Beständigkeit, die Suche nach dem Vorteil für mich, bleibt der Kapitalist in mir, der Bürger, die proletarische Bequemlichkeit, die Liebe nur für Sicherheit, Gefühle und Menschen klar umgrenzt?
Oder wird eine gemeinsame Zukunft sein weltweit?
Für Dich Jugend dieses einen erdumspannenden Lands, die Sonne wird dich wärmen wie meine Hand. Und der Wind soll über Deine Haut streichen wie die Liebe durch mein Herz.


Treibend

wie Frank-N-Furter – Transylvanian on Earth
auf vermeintlich verlorenem, wunderschönen Terrain,
den Rettungsring liebkost
im Pool, der mit Utopien angefüllt.

Wie weich werden meine Knie,
wollen nichts tragen, nichts erfüllen.
Während der Geist sich kräuselt und
welkt oder sprießt,
wie meine Haut das Wasser saugt
– mit Chlorgas noch versetzt –
und die Spiegelkugel Reflexe wirft
ins Scheunendach,
ins Nichts
– und alles darin enthalten ist
von der Reise bis hierher
und die Versuchung matter Freude
mit drin schwimmt –
da sehe ich
wo ich geschritten bin,
die Ängste, die ich war,
die Hoffnungen,
und erkenne mich.
Freude Ichzufriedenheit
folgt auf Nervosität und Leid
und das Anerkennen, der Genuss,
von Sorge um Menschen
und um mich,
die mir wichtig sind ganz ohne jeglichen Ballast.


In der Stadt aus sieben staubbedeckten Hügeln
brennt die Sonne jede Währung aus.
Wo sehnsuchtsvolle Welten sich erfinden gegen jede
Wirklichkeit
und kulturbeflissen Dekadenz das Warten auf die neue Zeit
in Endlosschleife wiederholt.
Wo einst herablassend große Reiche für Krone, Gott und
Geld sich einverleibt,
der Gewinn erfunden und besungen wurd
schleichen mörderische Konsumenten
zwischen Fernseher und Tankstellen
in der Dämmerung der alten Welt
verzweifelt
dem Benzinrausch trauernd hinterher.
Wie hungrige Wölfe auf der Jagd, wo es längst schon
nichts mehr
auf den Teller gibt.
Nur die Bilder flimmern noch
und die Stimmen plappern aus dem Off.
Der Soundtrack für den Krisenkrimi
spielt weiter, weiter, weiter noch
wenn das Schiff schon unter Wasser liegt
und die Leinwand nur noch Untertitel nennt:
Ölpreisschock
Fußballeuphorie
Vierfachbusenmonsterdoppelmord!
Der Fernbedienung fehlt der entscheidendste Knopf.

jchartmann.wordpress.com